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Ah, die Welt des Songwriting!


Hierbei handelt es sich um eine Lektion aus unserem Songwriting-Fernlehrgang und den Songwriting-Online-Kursen.


 

Ah, die Welt des Songwriting. Vielseitig und belohnend. Farbenprächtig und voller Wunder, hilft uns diese Kunst so häufig auch dabei, uns selbst und die Welt um uns besser zu verstehen. Aber beginnen wir ganz von vorne: Warum möchtest Du Songwriter werden? Es sind da die einen, die gemerkt haben, dass ein gewisses Talent vorhanden ist und die daher eine Karriere als Songwriter anstreben. Und die anderen, die bereits Musiker sind, es aber satt haben, die Songs von anderen nachzuspielen. Oder diejenigen, die selbst Musik machen und selbst Songs schreiben aber der Meinung sind, dass fundiertes Wissen zur Qualität ihrer Songs beitragen kann.

 

1. Ein Song ist Kommunikation
Was auch immer es ist, die Welt des Songwriting ist eine Welt, die schöner nicht sein könnte. Denn der Songwriter hat die Möglichkeit seine Gedanken in einer einzigartigen Art und Weise auszudrücken. In unserer schnelllebigen Zeit, in der man noch das eine tut und schon an das nächste denkt, sich manch einer schlecht fühlt, wenn er sich einmal Zeit für sich selbst nimmt und sogar die Freizeit genutzt werden soll, um Hörbücher zu hören oder sich anderweitig berieseln zu lassen, ist die Verpflichtung, sich Zeit zu nehmen, in sich zu gehen und seine Gedanken reflektieren zu lassen, Gold wert.

Denke an all die Situationen, die Du in Deinen Gedanken schon fix und fertig geplant hattest. Du wolltest Dich zum Beispiel bei jemandem entschuldigen oder endlich offen Deine Liebe gestehen. Unzählige Male hattest Du den exakten Wortlaut in Deinen Gedanken ausgesprochen. Du hattest ein kleines Kopfkino entwickelt, in dem Du der Regisseur warst.

Nehmen wir doch folgendes romantisches Gedankenspiel. Und nehmen dabei an, Du seist ein Mann. Deine von Dir so innig geliebte Freundin kam an und stieg aus ihrem Wagen, in jener Sommernacht, die Du Dir in Deinen Gedanken ausgemalt hast. Du nahmst sie mit an den idyllischen, einsamen See, stiegst in ein Boot mit Rosen, Wein und einer Kerze, rudertest in die Mitte des Sees, Grillen zirpten, die Sterne strahlten, der Abend war warm. Also knietest Du Dich nieder, nahmst ihre Hand, blicktest in ihre Auge und batest: „Willst Du meine Frau werden?“. Wie romantisch!

In der Realität kommt sie zu spät, Du weißt nichtmal, wie man rudert und bemerkst sehr schnell, dass das ganz schön in die Muskeln geht. Der Abend ist bewölkt und einigermaßen kalt. Deine Freundin hatte einen langen Tag und würde ihren Feierabend viel lieber vor dem Fernseher verbringen, als mit Dir dieses schleimige Theater hier aufzuführen. Statt den Grillen, zirpen nur ein paar Jugendliche, die in der Nähe einen Kasten Bier leeren. Und beim kläglichen Versuch in der Mitte des Sees im Boot niederzuknien, bringst Du es zum Kentern.

Klar, ein Worst-Case Szenario mit einer Prise Humor. Aber doch ist die Welt eben nicht so, wie wir sie uns gerne in unseren Gedanken ausmalen. Häufig fehlt uns in der entsprechenden Situation der nötige Mut, um unsere in Gedanken so oft gesprochenen Sätze in der Realität zu wiederholen. Häufig warten wir auch auf die richtige Situation und sie kommt einfach nicht. Oder wir werden mitten in unserem Satz von der anderen Person unterbrochen. Oder sie reagiert gleich völlig befremdlich und überhaupt nicht so, wie von uns in unseren unzähligen Träumen erhofft und geplant. Und warum? Weil wir eben nicht der Regisseur der Welt da draußen sind. Dort sind wir nur ein Akteur. Ein Darsteller sozusagen. Und auch wenn wir in unserem eigenen Leben die Hauptrolle spielen, so sind wir für die anderen Menschen allenfalls Nebendarsteller. Meistens jedoch sogar nur unwichtige Komparsen. Überlegen wir uns, wie sehr uns der Tod Michael Jacksons oder Amy Winehouses noch mitgenommen hätte, wenn unser Haustier gestorben wäre. Ja, bei den allermeisten Menschen hätte sich der Fokus ihres Mitleids sogar schon zu den eigenen Gunsten verschoben wenn sie an jenem Tag mit einer Grippe im Bett gelegen hätten … Denn wenn wir ehrlich sind, hat selbst ein verhältnismäßig geringes Problem, das in unserem eigenen Leben auftritt, praktisch immer eine höhere Bedeutung, als die Probleme – sogar der Tod – von uns fremden Menschen auf dieser Welt. Traurig, aber wahr.

Unsere Kommunikation findet also immer auf der Bühne des Lebens statt. Der Bühne, in der jeder die Hauptrolle zu spielen glaubt und alle anderen für ihn nur Nebendarsteller und Komparsen sind. Der Regisseur existiert nicht. Der Regisseur ist allenfalls das Resultat aus dem Zusammenspiel all jener egozentrischer Darsteller. Unsere Kommunikation hängt daher immer von vielen anderen Menschen ab. Das Telefon, das im falschen Moment klingelt und unser Liebesgeständnis jäh unterbricht, weil jemand anders sich zu genau der jeweiligen Sekunde dazu entschieden hat, uns anzurufen. Oder die empfangende Person, die uns mitten im Satz unterbricht, um uns mitzuteilen, was ihr heute beim Einkaufen passiert ist.

Ganz zu schweigen von den Problemen des Verständnisses. Wörter haben unterschiedliche Bedeutungen und können unterschiedlich interpretiert werden. Ein „Wie kann ich Dir helfen?“, das von einem betrunkenen, aggressiven Muskelprotz gesprochen wird, hat eine andere Bedeutung, als ein „Wie kann ich Dir helfen?“ des gleichen Muskelprotz, wenn man ihn am nächsten Tag als Coach in einem Fitnessstudio anspricht. Aber diese Missverständnisse sind nicht allein auf derartige Situationen beschränkt. Bereits kleinste Nuancen in Tonfall, der Situation oder dem Stresslevel der empfangenden Person können die Nachricht völlig umwandeln. Jedes Wort sollte daher idealerweise sorgfältig gewählt und gewichtet werden. Geprüft, ob es missverständlich ist oder in die Situation passt. Und das in Millisekunden, in denen die Kommunikation stattfindet. Ein schweres Unterfangen. Oder wie es Kommunikationswissenschaflter ausdrücken: „Es ist ein Wunder, dass wir uns überhaupt verstehen“.

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Wie schön ist es da, dass wir alle unsere Gedanken und Emotionen in aller Ruhe aufschreiben können. Dass wir die (für uns) perfekte Welt aus unserem Kopfkino jederzeit Realität werden lassen können. Und all das ohne Millionenbudgets für TV-Kameras und Special-Effects, sondern (in der Minimalaustattung) mit einem Stift und einem weißen Blatt Papier.

Der Song ist es, der es uns erlaubt, frei zu sprechen. Der Song ist es, der uns die Zeit gibt, unser Worte weise und bedächtig zu wählen, um genau das auszudrücken, was wir ausdrücken wollen. Um genau die Atmosphäre zu schaffen, die die Worte umkleidet, sie in die richtige Perspektive setzt und unmissverständlich macht.

Der Song ist es aber auch, der es uns erlaubt, unsere Worte missverständlich, zweideutig und anrüchig klingen zu lassen. Er ist es, der den „Candyshop“ und „Lollypop“ in ein zweideutiges Licht rücken kann und der mit entsprechenden Rhythmen die „Message zwischen den Zeilen“ unterstreichen kann.

 

2. Ein Song ist das Schaffen eines Werkes
Mehr als alles andere, schaffen wir durch das Schreiben eines Songs ein Werk. Etwas, was der Welt erhalten bleibt, wenn wir schon lange nicht mehr da sind. Natürlich, wird nicht jeder Song für immer ein Evergreen bleiben, wie zum Beispiel die Werke eines Beethoven’s, Haydn’s, Elvis Presley oder Michael Jackson. Aber doch wird etwas bleiben. Stell Dir vor, Dein Enkelkind findet Deinen Song auf dem Dachstuhl. Oder einer Deiner Songs schafft es in die Verkaufscharts und in 100 oder 200 Jahren schreibt jemand seine Doktorarbeit über die Vergangenheit und hört in den Archiven Deinen Song. Stell Dir vor, es ist ein Lied über die Schmerzen der Liebe und unser angehender Doktor ist gerade unglücklich verliebt. Vielleicht wird er weinen? Vielleicht wird der Song sein neues Lieblingslied und erfährt sogar ein Revival?

So gesponnen das alles klingt, Dein Song ist mehr als nur die Aneinanderreihung von Wörtern und Noten zu einem neuen, großen Gesamten. Dein Song ist der Ausdruck Deiner selbst. Er ist Dein Beitrag an die Menschheit. Dein Beitrag an die Kultur dieser Welt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Titel nun Da-Da-Da oder Nussknacker Suite lautet.

Wie viele Menschen haben ihren Liebeskummer mit „Without You“ von Pete Ham und Tom Evans (später gesungen u.a. von Nielson oder Maria Carey) getröstet? Wie viele Menschen hat der Discohit „Celebration“ von Kool & the Gang dazu bewogen, von ihren Stühlen aufzustehen und auf der Tanzfläche zu tanzen? Wie viele Pärchen haben sich durch diesen Tanz, an diesem Ort, zu diesem Song kennengelernt? Wie viele Ehen oder Kinder sind daraus entstanden? Wie viele Leute hat „Get on Your Feet“ geschrieben von John DeFaria, Clay Ostwald & Jorge Casasvon – gesungen von Gloria Gaynor- dazu bewogen, in schweren Zeiten weiterzumachen und ihren Traum doch Wirklichkeit werden zu lassen? Und wie viele haben dadurch selbst den Durchbruch geschafft und es letztlich zu viel Geld, Ruhm oder Ansehen gebracht? All das sind mögliche Resultate, die nur ein einziger Song auslösen kann. Ein einziger Song kann die Welt verändern.

 

3. Von Sprache und Gefühl
Sobald Deine Songwriting Fähigkeiten über das Stadium von: „Hey hübsche Puppe // ich koch Dir eine Suppe“ gelangt sind, wirst Du bemerken, wie sehr Dich das Songwriting prägt. Du wirst Dinge sehen, die Dir früher niemals aufgefallen wären. Du wirst zum Beobachter. Manchmal zum Protagonist, während Du Dich selbst beobachtest. Du nimmst die Welt ganz anders wahr und wenn Du Deine Fähigkeiten wirklich in die Topliga bringst, wirst Du Dich selbst sehr gut kennengelernt haben.

Deine musikalischen Fähigkeiten werden aller Wahrscheinlichkeit zunehmen. Ebenso wie Deine Kenntnis vom Musikmarkt über Zeit und Recherche besser werden wird. Auch Deine lyrischen Fähigkeiten werden sich verbessern. Aber allen voran, wirst Du Dich plötzlich in Situationen wiederfinden, die Deine Emotionen an Wörter koppeln wollen. Du wirst in der Straßenbahn den nervösen Jugendlichen bemerken, der sich extra rausgeputzt hat, weil er gleich sein erstes Rendezvous haben wird. Du wirst im Flugzeug den Typen bemerken, der anscheinend seelenruhig sein Buch liest aber dessen schweißnasse Finger seine Aufgeregtheit und Angst verraten.

Du wirst auch auf die kleinen Dinge achten. Das Atmen Deines Partners bemerken, das Strahlen in den Augen von Kindern unter dem Weihnachtsbaum sehen. Oder die Last spüren, die auf den buckligen Schultern der alten Dame am Krückstock liegt. Und all das wirst Du zu koppeln wissen. An Worte. Du wirst die Sprache in der Du schreibst sehr gut kennenlernen. Du wirst bemerken, dass man ein Lachen nicht nur sehen kann. Man kann es auch greifen oder stehlen. Man kann es fangen oder jemandem zuwerfen. Man kann es festhalten, sich wünschen oder verkaufen. Man kann es stellen, faken oder fälschen. Dabei muss es nicht unbedingt fröhlich sein. Es kann auch sexy sein. Oder höhnisch. Dreckig. Heiß. Begehrenswert. Liebevoll. Zärtlich. Mitfühlend. Herausfordernd. Kalt. Warm. Penetrant. Unschuldig. … Sobald Du die Möglichkeiten erkannt hast und bereit bist mit ein wenig Arbeit nach Wegen zu suchen, um die Wörter die Du verwendest, plastisch werden zu lassen, wirst Du Dich nicht erwehren können, die Jonglage mit der Sprache zu genießen.

Songwriting macht Dich zum Regisseur einer Szene. Zum Maler und Jongleur einer Sprache. Und zum Beobachter und Analytiker von Menschen und Situationen. All das hinterlässt selbstverständlich seine Spuren an Dir. Du wirst Dich auch im echten Leben vielseitiger ausdrücken können. Mit Wörtern zu spielen wissen. Deine Gedanken sehr viel präziser in Worte formulieren können. Dann verwischen, wenn Du es für nötig erachtest und dann auf dem Punkt sein, wenn Du es willst oder die Situation es erfordert. Durch das Beobachten von Situationen, wird sich Deine Menschenkenntnis verbessern. Du wirst lernen, Menschen zu deuten, zu überlegen, was in ihnen vorgeht und Deine Empathie- und sozialen Fähigkeiten stärken. Und zuguterletzt wirst Du besser in der Lage sein, den grauen Klumpen an unterschiedlichen Emotionen für die wir Menschen so wenige Wörter gefunden haben, besser zu deuten, als jemals zuvor. Und wenn das alles gewesen wäre, was Dir Songwriting bringt, so hätte sich all der Aufwand schon gelohnt. Aber da ist noch etwas, was Songwriting Dir einbringen kann. Geld und Ruhm …

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4. Geld und Ruhm
Der Hype in der modernen Popmusik fokussiert sich auf die ausführenden Künstler. Allen voran, den Sängern. Sie sind es, die in den Jugendmagazinen erscheinen. Die immer freundlich grinsen müssen und von allen Fans so begehrt sind. Mit all dem Ruhm all der Bekanntheit kommt allerdings auch hier eine negative Seite auf die ausführenden Künstler zu …

Gestern noch ein normaler Mensch gewesen zu sein und heute plötzlich ein Star hat schon so manchen Menschen zerstört. Plötzlich kann man nicht mehr unbeobachtet das Haus verlassen. Man wird beim Einkaufen sogar von den Ladendetektiven angehalten, weil sie ein Autogramm von einem wollen. Verlässt man sein Haus nicht topgestylt, so erscheint am nächsten Tag ein Bild in der Zeitung. Kurzum: Man ist plötzlich Allgemeingut. Die Welt meint, sie hätte einen Anspruch darauf, alles über einen zu erfahren. Nach einiger Zeit würden vermutlich die meisten Prominenten wieder ihren Ruhm zurückgeben und ihn gegen einen Job mit gleichem Gehalt und mehr Privatsphäre eintauschen. Das geht jedoch nicht. Noch schlimmer wird die Sache mit dem Ruhm, wenn die Karriere sich in den Sinkflug begibt. Denn dann mangelt es plötzlich an Geld. Das Gehalt, das ursprünglich Grund dafür war, dass man diese ganze Farce auf sich genommen hatte, ist plötzlich weg. Was aber bleibt, ist das Interesse der Öffentlichkeit: Nicht nur der Aufstieg, sondern auch der Fall wird von Medien und Menschen dokumentiert und wahrgenommen.

 

5. Druck und Drogen
Aber als hätte man mit seiner Bekanntheit als Popstar nicht schon alle Hände voll zu tun, kommt nun auch noch der Druck hinzu. Man spielt nationale und internationale Tourneen und lebt in dieser Zeit nur aus einem Koffer. Man fährt im stickigen Tourbus. Manche Bands schlafen auch darin. Und dann geht es ab: Konzerte und unzählige Menschen, die nur wegen des Popstars dort sind. Fans, die Geld bezahlt haben, um ein Eintrittsticket zu erhalten, die meisten auch eine oder mehrere CDs und die deswegen auch volle Leistung und eine gute Show erwarten dürfen.

Die Erwartung von 50.000 Menschen auf den Schultern eines (drei, vier oder fünf) Künstlers, ist häufig zu viel. Lampenfieber vor großen Auftritten und eine Ausgelaugtheit führen in Kombination mit hohem Stress und einem hohen Erwartungsdruck für chronische Überlastung. All dem kann man aber Herr werden, vermeintlich. Als bekannter Star ist es überhaupt kein Problem an Drogen zu gelangen. Egal welche man will. Künstler, die sich dem Druck nicht gewachsen fühlen, greifen zu Alkohol in exzessivem Maße. Wirkt auch das nicht mehr, kommt Kokain, um kurzfristig die Angst zu verlieren und sich für den größten der Welt zu halten (und so zumindest dem zu entsprechen, was die Fans von einem halten). Was die Droge Dir aber gibt, nimmt Sie Dir auch wieder in doppeltem Maße. Daraus entsteht die Suchtproblematik. Hinzu kommt die arrogante Unterträglichkeit eines Menschen, der im Kokainrausch der echten Überzeugung ist, unantastbar zu sein. Grund für viele Trennungen von erfolgreichen Bands. Drogen haben aber auch noch einen weiteren Nachteil: Sie sind verdammt teuer. Ist der Popstar also so arrogant und unzuverlässig geworden, dass sich der Fall seiner Karriere ankündigt, so wird nach und nach kein Geld mehr reinkommen. Die 1.000,00 Euro pro Tag für die Droge seiner Wahl bleiben jedoch Teil des Lebens. Solange die Bank noch Kredite einräumt geht das gut. Steuerschuld und die Rückforderung der Kredite sorgt dann aber für jähes Erwachen: Der Künstler steckt in einer Krise, die so tief ist, dass es wohl besser für ihn gewesen wäre, er hätte zuvor niemals den Durchbruch geschafft.

Nehmen wir an, den falschen Versprechungen der Drogen wurde widerstanden, sorgen oft Streits innerhalb der Band für das Ende der Karriere. Denn während ein Pianist mindestens 6 Jahre wöchentlichen Unterricht und mehrere Stunden heimatliches Üben am Tag benötigt, um auf einen guten Level an Fähigkeiten zu gelangen, ist vielen Sängerinnen und Sängern ihr Talent mehr oder weniger in den Schoß gelegt worden. Gesangsunterricht ist zwar wichtig, um die Stimme zu schützen und ihre Feinheiten zu trainieren. Aber auch der beste Gesangsunterricht wird aus einem schrecklich klingenden Timbre keine gute Stimme zaubern können. Ein Sänger ist entweder gut oder nicht. Nun ist es aber meistens allein der Sänger, der am meisten von den Lorbeeren abkriegt. Alle wollen sie den Sänger. Alle bejubeln sie den Sänger. Und wenn der Sänger sich auf den Höhenflug begibt, ist er selbst der Meinung, dass sich alles um ihn dreht. Jederzeit wird er seine Band austauschen können. Durch andere Musiker. Ein anderer Gitarrist hat 10 Jahre sein Instrument gelernt, ein anderer Pianist hat 10 Jahre sein Instrument gelernt – und beide können die ursprünglichen Musiker mühelos ersetzen. Diese Annahme führt zur Trennung und die Band ist hoffnungslos zerstritten und erfolglos. Nach einigen Dekaden (wenn das Geld aufgebraucht ist) rafft man sich zu einem Revival auf, das jedoch – o Wunder! – erfolglos bleibt.

Klingt alles nicht gerade sehr hoffnungsfroh. Wo aber war der Songwriter in diesem Gefüge? Sofern er nicht selbst Mitglied der Band war (was oft aber nicht immer vorkommt), ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er entspannt an irgendeinem Strand sitzt und ein azurblaues Meer genießt. Denn während der performende Künstler sein Geld lediglich durch den Verkauf von CDs und das Spielen von Konzerten verdient, erhält der Songwriter sein Geld vor allem durch Tantiemen aus dem Urheberrecht. Keine Sorge, wir werden noch sehr detailiert in Monat 6 auf das ganze Businesswissen eingehen. Aber trotzdem ist es wichtig, dies als kleine Einführung an dieser Stelle zu erwähnen: Immer wenn der Song eines Songwriters irgendwo aufgeführt (Konzerte – auch von Coverbands) oder gesendet wird (Radio, TV, Filme) und immer dann, wenn irgendwo ein CD-Rohling oder ein DVD-Brenner (usw) verkauft wird, erhält der Songwriter Geld. Der Sänger und die Band hingegen nicht. Es ist also gut möglich, mit nur einem einzigen, sehr erfolgreichen Song zum Millionär zu werden, da man als Songwriter auch noch Geld verdient, wenn der Song in 20 Jahren im Radio gespielt wird (der Künstler/ die Band jedoch nicht!).

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Schreibt man also mehrere erfolgreiche Songs und vielleicht sogar noch einen Evergreen wie „Last Christmas“ von George Michael, so hat man eine sichere Einnahmequelle, die über Jahre und Jahrzehnte nicht versiegt. Und während der Künstler längst zum hundertsten Mal in der Entzugsklinik war, seine Kokainsucht bereut, weil sie seine Millioneneinnahmen in Millionenschulden verwandelt haben und seinen vergangenen Erfolgen nachtrauert, verdient der Songwriter noch immer mit jedem Mal, an dem ein Radio den Song des mittlerweile erfolglosen Musikers oder die Fernsehreportage das Siechtum des Künstlers mit einem „seiner“ alten Hits untermalt.

Dabei darf man auch die weiteren Vorteile nicht vergessen: Der Songwriter ist in aller Regel weitestgehend unbekannt. Natürlich nicht innerhalb der Branche. Aber außerhalb. Keine Berichte in den Jugendzeitschriften über den Songwriter. Keine Reportagen über ihn. Keine Paparazzi und keine Groupies. Und was zunächst vielleicht enttäuschend sein mag, stellt sich schnell als sehr befreiend heraus. Denn im Gegensatz zum performenden Künstler, kann der Songwriter zu jederzeit in einen x-beliebigen Laden einkaufen gehen. Er kann sich nackt auf seiner Yacht sonnen und unterliegt nicht der Gefahr, dass es die Lebenspartner, die er kennenlernt, nur auf sein Geld abgesehen haben, weil das, ja wie gesagt, niemand weiß. Trotzdem kann er aber am Ruhm teilnehmen, wenn er es benötigt und will. Überfällt ihn die Lust darauf, zu prahlen, so kann er ja jederzeit mitteilen, dass er der Songwriter des so bekannten Songs ist. Er kann. Muss aber nicht. Zudem muss er nicht in Interviews auftreten, um seine CD zu promoten und keine Konzerte spielen. Er muss also nicht wie ein Verrückter in einem stickigen Tourbus durch die Welt reisen und ist auch nicht dem Stress ausgesetzt, bei jedem Auftritt die volle Leistung zu bringen. Aufregung und Lampenfieber sind für ihn Fremdwörter, weswegen er auch weniger in Kontakt mit Drogen wie Kokain kommt, die so mancher Künstler unter Ausblendung der Risiken gegen diese Symptome einsetzt. Auch generell wird er weniger zwielichtige Gestalten treffen, die ihn in Verträgen über den Tisch ziehen wollen. Denn die Tantiemenabgabe ist gesetzlich geregelt und wird von der GEMA wahrgenommen. Letzteres ist auch der Grund, warum der Songwriter nach dem Schreiben seines Songs quasi keine Arbeit mehr damit hat: Die GEMA übernimmt die Abrechnung mit den Rechteverwertern. Der Songwriter erhält sein Geld und seine Abrechnung direkt von der GEMA (oder seinem Musikverlag, sofern er bei einem unter Vertrag ist). Der Songwriter hat also eigentlich einen Traumjob. Wie aber stehen Deine Chancen auf Erfolg?

 

6. Deine Chancen im Musikmarkt
Genaue Zahlen kennt natürlich keiner und die Frage nach Deinen Chancen im Musikmarkt hängt zu großen Teilen davon ab, wie sehr Du bereit bist, Dich zu engagieren. Dies bedeutet, Du musst lernwillig sein. Die hier erlernbaren Techniken üben, üben und anwenden. Und musst Songs schreiben. Am Besten täglich einen. Und das ist keine Übertreibung. Mache Songwriting zur täglichen Routine. Mit diesem Fernlehrgang wirst Du über alles nötige Handwerkszeug verfügen, das nötig ist, um gute Songs zu schreiben.

Aber damit darf Dein Engagement noch nicht vorüber sein. Denn – und das darf nicht verschwiegen werden – es kommt beim Songwriting auch auf Talent an. Zwar ist es nicht gar so schlimm, wie beim Sänger, dessen Stimme meistens einfach gut klingt oder nicht. Aber es ist eben doch so, dass manche Menschen die lyrische Ader mit der musikalischen Ader besser vereinen können, als andere. Auf der anderen Seite: Hört man sich so manche erfolgreichen Chartbreaker an, so darf man annehmen, dass auch weniger perfekte Songs zumindest ab und zu eine Chance erhalten.

Nehmen wir also für einen Moment an, Du hast die Fähigkeiten eines Songwriters zu wahrer Größe gemeistert. Reicht das bereits für Deinen Erfolg? Nein, noch nicht ganz. Denn jetzt geht es um den anderen Teil Deines Jobs. Nämlich um das, was wir in Monat 6 besprechen werden: Es geht darum, dass Du Deine Songs nun auch an den Mann bringst. Du musst sie versenden an Künstler, an Produzenten, an Musikverlage und sogar Plattenfirmen. Du musst bei Musikmessen präsent sein und Deine Demos weiterreichen. Netzwerke flechten und alles tun, damit Du in der Musikbranche zu einer Marke für Songwriting wirst.

 

7. Abschließend
In dieser Lektion haben wir gelernt, wie wertvoll ein Song und die Fähigkeiten des Songwritings für uns und unsere Leben sein können. Und wir haben erfahren, warum Songwriter ein weitaus ruhigeres Leben fristen können, als Popstars und trotzdem an Verdienst und Ruhm mehr als genug teilnehmen können.

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